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Kriegsende am 01.April 1945 (Ostersonntag) in Wadersloh

10.04.2020

In diesem Jahr jährt sich das Ende des zweiten Weltkrieges zum 75. mal. Viele schreckliche Taten wurden begangen und Millionen Menschen mussten ihr Leben lassen. Es ist unser aller Aufgabe, das geschehene nicht in Vergessenheit geraten zu lassen, im Andenken an die Opfer und als Mahnung für die Zukunft.

Am 01. April 1945, es war Ostersonntag, marschierten die Amerikaner in Diestedde und Wadersloh ein. Hierzu dürfen wir euch den nachfolgenden Bericht aus der Familienchronik der Familie Rothfeld veröffentlichen. An dieser Stelle vielen Dank an Hans Rothfeld, der uns diesen zur Verfügung gestellt hat.

 

Ende des 2. Weltkrieges in Diestedde und Wadersloh
Aus der Familienchronik der Familie Rothfeld

Noch am Palmsonntag 1945 wurden alle Diestedder Hitlerjungen (Aussage von dem Diestedder Hermann Duwentäster er war da 14. Jahre alt) mit Durchhaltereden auf den Endsieg durch die örtlichen NSDAP Parteigenossen eingeschworen. Ihre Führer waren vom Johanneum das damals zur Ausbildung von Volksschullehrern diente. Die Räume des Johanneum waren im Zweiten Weltkrieg von der NSDAP in Lehrerbildungsanstalten umfunktioniert worden.

Gründonnerstag 29. März 1945: Auf Anweisung, örtlicher NSDAP Parteigrößen, wird in der Scheune der Familie Rothfeld (Elternhaus von Hans Rothfeld) eine größere Menge requiriertes Militärstroh gelagert (Grund, Nähe zum Bahnhof). Nach vorsichtigen Einspruch von Frau Rothfeld bekam sie von den verantwortlichen Parteigrößen die Antwort. „Frau Rothfeld, nach dem Endsieg werden sie mit ihren 8 Kindern sowieso den Osten besiedeln“. Familie Rothfeld hatte keinerlei Möglichkeiten des Einspruchs.

Hier sei auch mal bemerkt, dass es auch im sogenannten “Dritten Reich” stillen Protest gab. Der Gastwirt Herr Bernhard Grotegut aus Diestedde war Trichinenbeschauer (Ein Trichinenbeschauer musste bei Hausschlachtungen das getötete Schwein auf Trichinen untersuchen). Beim Eintritt in die Häuser hat er immer die Familien mit „Heil Hitler, wo hängt das Schwein?" begrüßt. Diese Frage: „Wo hängt das Schwein?“ war korrekt, da das geschlachtete Schwein immer auf einer Leiter aufgehängt wurde.

Karfreitag 30. März 1945: Ein strahlend schöner Frühlingstag beginnt. Es ist Karfreitag, die Morgensonne übergießt das arg geprüfte Land und taucht es in helles Licht.

Am stahlblauen Himmel tauchen immer wieder Flugzeuge auf. Luftalarme in Beckum und Umgebung halten fast den gesamten Tag die besorgte Zivilbevölkerung in Atem und treiben sie in Keller, Bunker, Luftschutzräume und Unterstände. Aber die Flugzeuge haben schon weiter entfernte Ziele im Visier und fliegen über Ahlen und Beckum nach Osten. Hier ist das Gefechtsfeld schon für die Vorstöße der Soldaten des I. 41 Panzer- Infanterie-Regiments und des II. 67 US Panzer-Regiments der 2. US Panzer-Division vorbereitet. Bald werden diese Städte in der Reichweite der Feldartillerie-Geschütze kommen.

Lediglich für Diestedde wird vermerkt: „Ununterbrochen und zu Dutzenden streichen Tiefflieger über Diestedde und schießen auf alles, was sich sehen läßt und sich bewegt."

Ostersonntag, 1. April 1945: Die Ereignisse kommen nicht zur Ruhe. Was passiert nicht alles zu dieser frühen Morgenstunde gegen 6:00 Uhr. Die Amerikaner rücken von Beckum gen Osten nach Diestedde. Durch ihre Sehschlitze erkennen die ersten Panzerbesatzungen der „hell on wheels“ an Oenkhaus Knapp deutsche Panzer. Vorsicht ist geboten! Schließlich können sie nicht wissen, dass sie wegen Treibstoffmangels hier stehengelassen und von Soldaten des SS Bataillons verlassen wurden. Zudem bereitet die Geländebeschaffenheit den Amerikanern Sorgen: die Gegend ist ideal für eine Panzerbekämpfung! So vermuten sie nicht grundlos, dass sich deutsche Einheiten ringsherum in Stellungen befinden können, im Diestedder Berg, in Altendiestedde, in den Waldungen von Schulze- Oenkhaus, Schulze Berlinghoff und Wintermann. „Safety first!“ Also eröffnen sie das Feuer. Die Höfe Beermann, Speith und Rothfeld, unser Elternhaus (Brandmaterial durch das eingelagerte Militärstroh war genügend vorhanden), werden dabei in Brand geschossen. Das Haus Rothfeld bekam über 100 Einschüsse wovon jeder 10 Schuss eine Leuchtspurmunition war (Leuchtspurmunition diente zur optischen Verfolgung der Schussbahn). Um 6:30 Uhr stand der Hof lichterloh in Flammen.

„Safety first“ der Amerikaner war angebracht, da sich noch am Karsamstag-Abend deutsche Soldaten in Wintermanns-Busch aufgehalten haben.

Diese Aussage kommt von Zahnarzt A. Rump. Unter Leitung des Leutnants Leinewebers aus Wadersloh (Leineweber war ein Freund A.Rumps) hat seine Einheit sich bis zur Dunkelheit in Wintermanns-Busch aufgehalten und ist dann in späten Abendstunden Richtung Osten weitergezogen.

In Diestedde duckt man zusammen, als sich die vorgerückten Amerikaner auf den vermuteten Feind einschießen. Im Dorfkern vor Schloß Crassenstein sucht man hastig Keller und Luftschutzbunker auf. Unbeeindruckt der Granaten rennt eine Frau – es ist Gertrud Vering – zum Pfarrhaus und reißt die Tür des Luftschutzkellers auf. Mit einer Bestimmtheit, der man nichts entgegensetzen kann, fordert sie die hier Versammelten auf, doch endlich etwas zu unternehmen. „Die weiße Fahne am Kirchturm heraus! Die schießen sonst das ganze Dorf zusammen!“ Konrad Plaßmann fasst sich ein Herz, nimmt „dat witte Laken“ und hisst gegen 6:30 Uhr auf dem Kirchturm von St. Nikolaus das Zeichen der freiwilligen Aufgabe.

Dieses geschah zu spät für die in Brand geschossenen Häuser. Hatten doch am Abend vorher noch Diestedder unter der Führung von Franz Eversloh versucht die weiße Fahne am Kirchturm zu hängen, welches aber durch die fanatischen Diestedder Parteigenossen unter Androhung durch Erschießen verhindert wurde.

Wadersloh wurde durch den mutigen Einsatz von Herr Willi Rudolf gerettet. Er ist mit einer weißen Fahne in der Hand den Amerikanern entgegen gegangen und konnte sie davon überzeugen, dass in Wadersloh nicht mit militärischem Widerstand der deutschen Wehrmacht zu rechnen sei. Durch diese Tat wurde Wadersloh gerettet.

Links Major Rudolf Dunker und Rechts US-Colonel Sidney R. Hinds.

Karte US Panzer-Regiment Diestedde Richtung Lippstadt

Major F.S. Bagley, S-3-Offizier des 67. US Panzer-Regiment auf seinem Command-Post in Lippstadt

Pershing-Panzer des II. 67 US Panzer-Regiments kurz vor Lippstadt. Rechts: Oberstleutnant William Dooley 67. US Panzer-Regiment

Major James F. Hollingsworth Kommandeur des II Battailions 67. US Panzer-Regiment wird mit dem Silver Star durch Generalmajor Isaac D. White ausgezeichnet. Der Silver Star ist ein Orden der US-Streitkräfte für besondere Tapferkeit vor dem Feind.

Das Elternhaus von Hans Rothfeld 1945

Familie Rothfeld 1945

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